Flash Ultra EDF Umbauvorschlag

Hallo zusammen,

der Zufall hatte mir einen Flash Ultra in die Hände gespielt. Ich war bei einem Jet Rookie Meeting und habe mich bei der Rookie Party zum größten Kasper von allen gemacht und als Dank den Flash Ultra bekommen. Das von Carf empfohlene pneumatische Fahrwerk habe ich noch am gleichen Abend zu Sonderkondition für die Meeting Teilnehmer bestellt.
Das Rookie Meeting kann ich wirklich nur empfehlen, Winnie Ohlgart vielen Dank!
Ich war wild entschlossen eine Turbine einzubauen, leider ist dies auf unserem Flugplatz in Westenholz nicht möglich. Der Vorstand hat versucht eine Erweiterung unserer Aufstiegsgenehmigung zu erwirken, aber das wäre auf eine neue Beantragung der Aufstiegsgenehmigung mit allen Risiken hinausgelaufen, das wollten der Vorstand und ich auch nicht. Also war das Thema Turbine vom Tisch.
Zum Glück war bei mir in der Nähe ein Impeller Meeting und mit dem Flash im Gepäck bin ich dort am Schübeler Stand vorstellig geworden.
Nach Diskussion mit Daniel Schübeler und Christian Willeschek wurde dann das Thema Flash Ultra EDF in Angriff genommen, getreu dem Motto „think global, buy local“
Es sollte ein 77er HST mit einem DSM 6745-700 an 14S an einem open Duct System zum Einsatz kommen. Ein größerer Fan wäre nicht möglich gewesen, da die Mulde in der Fläche keinen größeren Einlauf zulässt. Als Regler kommt ein MGM 25063-3 X-SERIES zum Einsatz. Die folgenden Schritte habe ich dann in Abstimmung mit Fa. Schübeler vorgenommen.

Schritt 1: Kappen der Lufteinlässe
Ca. 5mm hinter dem Kopfspant der Fläche habe ich den Lufteinlaß des Flash abgeschnitten. Dies viel mir nicht leicht. Die Reste habe ich aufgehoben, man weiß ja nie……

Schritt 2: Akku Halterung
Nach Rücksprache mit Christian Wileschek sollte ein 14S Akku mit 7-8.000mA zum Einsatz kommen.
Ich habe mich für einen SLS APL 8000 entschieden. Der Akku hat nur 25C ist dafür aber relativ leicht. Bei einer maximalen Stromaufnahme von 180A hat der Akku noch reichlich Reserve, da 25C =200A sind. Die Wahl hat sich als gut herausgestellt. Nach dem Flug ist die Akku Temperatur im grünen Bereich und es sind Flüge von 6-7min locker möglich. Auch gab es den Akku in einer Weihnachtsaktion recht günstig und ich habe gleich zugegriffen. Da zum Zeitpunkt meiner Bestellung leider nur ein 7S Akku verfügbar war habe ich dann noch zusätzlich einen 3S und einen 4S Akku genommen. Diese Konfiguration hat sich letztlich als sehr glücklich herausgestellt. Vorne sind der 3S und der 4S Akku hinten der 7S. Bei der Reihenschaltung der drei Akkus führt nun eine Leitung nach hinten zum 7S und vom 7S eine Leitung nach vorne zum 4S so, dass vorne dann zwei Leitungen zum Anschluss an dem Regler zur Verfügung stehen. Das Akkupack kommt an die gleiche Stelle im Rumpfrücken wie der ursprüngliche Kerosin Tank. Hierzu habe ich eine Sperrholz Platte mit Aussparungen im Rumpfrücken mit mehreren Lagen 80g Gewebe einlaminiert. An das Ende habe ich ein kleines Sperrholz Gehäuse gebaut in das der Akku genau passt denn wenn die Fläche montiert ist, ist dieser Bereich nicht mehr zugänglich. Da dieses Gehäuse recht dicht am Fan ist, habe ich einen Konus aus Rufmade gemacht und mit etwas Glas beschichtet um eine etwas homogenere Anströmung des Fans zu ermöglichen. Letztlich wir der Akku von vorne montiert und mit einem Klettband gesichert.



Schritt 3: Regler Halterung
Getreu dem Motto mach nichts aus einem anderen Werkstoff, was du auch aus Holz machen kannst, habe ich zwei Sperrholz Brettchen an den MGM Regler angepasst so, dass der Lüfter nach unten zeigt und in den Rumpf zwischen die Einläufe eingepasst und mit etwas 80g Gewebe einlaminiert.


Schritt 4: Impeller, Einlaufring und Schubrohr.
Der Impeller wird an der gleichen Stelle wie die Turbine montiert, allerdings etwas tiefer. Hierzu habe ich zwei Adapter Sperrholzplättchen auf die Rückseite der Träger mit Einschlagmuttern geschraubt. Im nächsten Schritt habe ich das Schubrohe aus einem CFK Folienmaterial gebaut, das ich bei Schübeler bekommen habe. Das Schubrohr ist ein Konus der vom Impeller auf ca. 92mm Durchmesser ausläuft. Die Rumpfspanten im Flash waren allerding für ein Schubrohr mit deutlich kleinerem Durchmesser vorgesehen und müssen entsprechend aufgeweitet werden. Hierzu habe ich mir eine Schablone mit dem Durchmesser 98mm gemacht und am Spant entsprechend angezeichnet. Das hat gut geklappt. Das Schubrohr habe ich mit Tape verklebt. Der Adapter zum Impeller ist mit Sekundenkleber am Schubrohr verklebt. Beides habe ich dann mit Tape am Impeller verklebt. Der Einlaufring kollidiert mit dem Flügel und muss daher stark zurückgeschliffen werden.

Schritt 5: Steuerung
Entsprechend der CARF Empfehlung hab ich eine Doppelstrom Versorgung Power Box Sensor eingebaut und verwende 2St. 2S 1.300mA Akkus als Stromversorung. Mehr ist nicht nötig. Nach 4 Flügen haben die Akkus noch 80%. Als Servos habe ich an allen Ruderklappen und am Bugfahrwerk das Graupner DES 707 BB im Einsatz. Das pneumatische Fahrwerksventil wir von einem Miniservo verstellt. Die Servos hab ich entsprechenden der Baueinleitung von Carf eingebaut. Im Rumpf habe ich vor dem Bugradservo eine Platte eingebaut auf der zwei Graupner Empfänger und das Pneumatik Ventil mit seinem Servo P Platz finden. Ich verwende bei allen aufwendigen Modellen zwei Empfänger um etwas Redundanz zu schaffen. Ein Empfänger ist jeweils für eine Seite des Modells zuständig, die „einmaligen“ Funktionen wie Regler, Bugrad, Seitenruder und Bremsventil werden auf die Empfänger verteilt. Um die Pneumatik Leitungen zu befestigen habe ich mir mit dem 3D Drucker einige Halterung gedruckt und mit Epoxi in den Rumpf geklebt. Die Kupplung für die Pneumatik des Flügels von HAWE Modelltechnik habe ich ebenfalls mit einem 3D Druck Teil im Rumpf befestigt.

Schritt 6: Mehr Luft!
Nach den ersten Schubmessungen am Boden mit ein- und ausgefahrenem Fahrwerk, so wie mit und ohne Kabinenhaube wurde klar, dass die Lufteinlässe des Turbinenmodells für den EDF Betrieb zu klein sind. Daher hab ich im ersten Schritt die Abdeckung des Bugrades entfallen lassen und die Öffnung im Rumpf deutlich vergrößert.


Des Weiteren habe ich hinter dem Cockpit zwei NACA Ducts als Einlässe eingebaut. Nachdem ich die Berechnungsvorschriften für die Einlässe recherchiert hatte habe ich sie kurzerhand im 3D konstruiert und in einem 3D Drucker aus ABS ausgedruckt und von innen in den Rumpf neben die Akkuhalterung laminiert und von innen dann freigeschliffen. Ein schnödes Loch im Rumpf wollte ich nicht haben um den Flieger nicht zu sehr zu verunstalten. So hat jeder NACA Duct eine zusätzliche Einlassfläche von 12cm² was sich gut in den Rumpf integrieren ließ. Viel mehr geht nicht, weil dann der Akku im Weg ist. Auch fallen die zusätzlichen Öffnungen bei meinem Farbschema kaum auf.
Die 3D Daten der NACA Ducts (STL Format für den heimischen 3D Drucker) kann ich gerne zur Verfügung stellen.
Des Weiteren habe ich auf Anraten von Daniel Schübeler zusätzliche Schlitze hinter die Einlassöffnungen am Rumpf eingebracht um die Anströmungsbedingungen insbesondere bei geringer Geschwindigkeit zu verbessern.
Nach diesen Modifikationen wird ein Standschub von 7,3kg am Boden erreicht und die Stromaufnahme beträgt dann 165 A also werden dann ca. 8,5kW elektrische Leistung umgesetzt.
Flugerprobung
Im Sommer 2016 war es dann soweit. Im Rahmen des 10. E-Jet Meeting "Mitte" am 2. und 3. Juli in Scherfede war es dann soweit. Am Boden haben Daniel Schübeler und ich den Antrieb im Stand getestet und die Temperaturen am Motor gemessen und einen Blick auf die Ströme geworfen. Nach 45 sec. Vollgas etwas Pause und weiteren 45 sec. Vollgas hatte der Motor an der Wicklung beruhigende 52°C. Mit diesen ersten Werten wurde dann der Erstflug in Angriff genommen.
Da ich bis dato keine Erfahrungen mit Impeller Modellen in dieser Größenordnung hatte (und mir der Arsch gewaltig auf Grundeis ging) habe ich gerne auf die Unterstützung von Manfred Greve zurückgegriffen. Dies wurde von Fa. Schübeler organisiert, hier noch einmal vielen Dank.
Den Erstflug absolvierte Manfred locker und souverän. Beim zweiten Flug habe ich dann die Steuerung übernommen und Manfred hat mir sehr nützliche Tipps gegeben so, dass sich die Anspannung in Grenzen hielt und ich mich etwas mit dem Modell vertraut machen konnte.
Dann wurde es ruhig um den Flash denn der Sommerurlaub mit viel Hangfliegen in Südengland stand an und der heimische Flugplatz mit seiner recht kurzen Startbahn war noch von Mais umgeben.
Im November war es dann soweit, der Mais war endlich weg und der Flash konnte das erste Mal am Heimatflugplatz in Westenholz gelüftet werden.
Bedenken hinsichtlich der Startbahnlänge waren unbegründet, der Flash nahm schnell Fahrt auf und war nach ca. 50-70m in der Luft. In der Luft ist die Geschwindigkeit sehr zügig und der Sound des Impellers ist der Wahnsinn. Der Durchzug ist ausreichend und riesige Loopings aus dem Horizontalflug sind kein Problem.
Das Fluggewicht liegt bei 12,4 kg und das Langsamflugverhalten ist sehr gutmütig.

Fazit:
Ich bin total geflasht vom Flash. Der Umbau hat sich gelohnt und dieser wunderschönen Flieger kann auch ohne Turbine adäquat bewegt werden. Großräumiger Jetkunstflug ist kein Problem. Natürlich werden die Geschwindigkeiten eines Turbinen Jets nicht erreicht aber das war auch nicht das Ziel. Dafür ist der Sound anliegerfreundlich und letztlich zeitgemäß!
Mein Dank gilt besonders der Firma Schübeler, da mir dort jederzeit geduldig auf meine Fragen geantwortet wurde.

Bericht und Bilder von: Winfried Fust