Wofür ist Expo?

Besonders dem Modellflug-Neuling wird häufig erklärt, dass er an seinem Sender Expo hinzufügen soll, damit das Modell nicht so empflindlich auf Ruderausschläge reagiert. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, weshalb ich gerade mal an dieser Stelle etwas Licht ins Dunkle bringen mag.

Die Exponentialfunktion ist eigentlich eine mathematische Funktion, mit der auch im Modellflug eine Besonderheit erreicht werden kann, die dazu führt, dass das Modell in der Tat nicht so sehr empfindlich reagiert. Allerdings geht es nicht darum, die Empfindlichkeit der Ruder direkt zu steuern sondern vielmehr die Wirksamkeit um den Mittelpunkt des Servoweges zu reduzieren.

Ein Servo hat in der Mittelstellung in beide Richtungen die höchste Wirkung, sofern die Anlenkstange - wie in diesem Beispiel - waagerecht angesteuert wird. (Auf dem Bild ist sie im obersten Loch des Arms nach rechts angezeichnet.) Je weiter der Servoarm nach unten geht, desto weniger Wirkung, sprich Bewegung erzeugt er. Bei der Verwendung eines Servos, welches in diesem Beispiel einen Weg von 180 ° hat, also 90 ° nach rechts und ebenso 90 ° nach links, beschreibt mit seiner Armbewegung einen Halbkreis. Auf dem Anfang des Weges in beide Richtungen erzielt das Bewegen einer Anlenkstange somit die höchste Wirkung. Je weiter sich der Servoarm absenkt, desto geringer wird die Wirkung.

Mit der mathematischen Exponentialfunktion ließe sich nun berechnen, wie weit sich der Arm bewegen darf, bis die Wirkung deutlich nachlässt. Ab dort beginnt die Zone, die über die Expo-Einstellung am Sender abgefangen werden muss. Man stellt also der Wirkkurve des Servoarms die Exponentailfunktion entgegen. Dadurch wikt das Steuern am Sender in der Mittelstellung des Servoarms geringer. Da der Arm aber, je weiter er sich neigt, weniger Wirkung zeigt, wirkt die Exponentialkurve erneut dagegen. Das heißt, der Arm wird in diesen Zonen schneller bewegt, sodass scheinbar ebenso viel Wirkung vorhanden ist. Einfach gesagt: Um den Mittelpunkt wird der Servoarm langsamer und an den Außenzonen schneller bewegt.

Optimal wäre eine Expo-Einstellung, die gleich an welcher Position des in diesem Beispiel möglichen Halbkreises immer den selben Wirkungsgrad des Servos erzeugt.

Soviel zur Theorie. Praktisch zeigt sich, dass sich kein Modellpilot hinsetzt und mathematisch berechnet, wieviel Expo er nun an seinem Sender programmieren muss. Zumal dann noch Winkelstellung der Anlenkstange, Gradstellung des Servoarms und Gradstellung des Ruderhorns ebenso einfließen müsste, wie auch der maximal mögliche oder maximal gewünschte Weg des Servoarms.

Empfehlenswert ist für den Anfang, die Hälfte des maximalen Expo-Wertes einzustellen. Hierbei ist besonders bei der Firma Futaba zu berücksichtigen, dass dort die Expo-Werte sowohl im Plus- als auch im Minusbereich eingestellt werden können. Bei Futaba ist es also auch möglich, die Empfindlichkeit mit Pluswerten zu erhöhen, wovon aber dringend abzuraten ist. Daher ist die Hälfte des maximalen Expo-Wertes also - 50 %, also weniger Empfindlichkeit. Nach dem Einstellen am Sender sollte das Modell ohne Antrieb am Boden getestet werden. Lassen sich die Ruder ruhig und unempfindlich bewegen, können die Werte mit dem fliegenden Modell getestet werden. Ist man mit den Einstellungen nach dem Flug nicht zufrieden, muss am Sender nochmals korrigiert und die neue Konfiguration erneut im Flug getestet werden.