Klebeschulung Technik und Anwendung

Erkenntnisse aus einem Referat von Herrn Gerald Claus - Fa. UHU.

Selbst wer lange Modellbau betreibt steht manchmal vor Fragen, deren Beantwortung problematisch erscheint. Oft ist es aber nur so, dass man sich im Laufe der Zeit wider besseres Wissen Handlungsweisen angewöhnt hat, die zwangsläufig zu Problemen führen können. In diesem Sinne sind die nachfolgenden Ausführungen zu verstehen, die bei der Klebeschulung von Herrn Claus (Fa. UHU) zu so manchem AHA-Erlebnis führten.

Grundsätze:
Lösungsmittelfreie Kleber sind auf Wasserbasis aufgebaut. Die Mindesthaltbarkeit ist nach ca. 20 – 45 Minuten gegeben.

Zu verklebende Flächen müssen sauber, trocken und fettfrei sein. Klebeflächen Anschleifen bzw. Metalle mit quarzhaltigem Radiergummi abreiben, Flächen abwischen, möglichst mit Aceton reinigen. Danach keinesfalls mit einem Finger prüfen. Die Fingen erzeuge Fettabsonderungen, die Klebefähigkeit wird beeinträchtigt.

Achtung: Viele Kunststoffe reagieren auf Aceton mit Verlust der Oberflächengüte bzw. Aceton löst sie an oder kann zum Verkleben verwendet werden.

Welligkeiten bzw. tiefe Schmirgelspuren reduzieren die Endfestigkeit, die Klebekontakte sind nur an den Spitzen der Flächen gegeben.

Der richtige Kleber und korrekte Verarbeitung bieten gute Haltbarkeit bei Zug-, Druck-, Schiebe- und Torsions- Beanspruchungen. Wenn Kerbwirkung an der Klebestelle auftritt ist die Haltbarkeit geringer.

Im Bild ist eine Belastung der Kleberschicht mit Kerbwirkung dargestellt:

Weißleim:
Grundsätzlich ist Weißleim nicht wasserfest. Er ist je Typ unterschiedlich beständig bei gelegentlichem Spritz- oder Schwitzwasser. Weißleim ist im Flüssigen Zustand weiß und trocknet glasklar. Wirkt Feuchtigkeit auf die Klebung, wird sie wieder milchig oder weiß und verliert an Festigkeit.

Nicht nach dem Prinzip arbeiten – viel Kleber hält viel. Der Kleber soll gleichmäßig mit einem Hölzchen, Spachtel, notfalls auch einem Tubenfalz in einer Schichtdicke von ca. 0,1 – 0,3 mm aufgetragen werden. Die Flächen mit kleinen Schiebebewegungen positionieren. Es soll bereits der Eindruck entstehen, dass die Klebung wirksam wird. Nach ca. 3 - 4 Std. kann vorsichtig weiter gearbeitet werden. Nach ca. 24 Std. ist gute Festigkeit gegeben. Maximale Endfestigkeit nach ca. 72 Std..

2-K Kleber – z.B. Epoxidharz-Kleber:
Beim Mischen die Verhältnisvorgaben (z.B. 1:1) beachten. Mehr Härter = weichere, elastische Klebung; Weniger Härter = harte, bruchanfälligere Klebung.

Cyanacrylat – Sekundenkleber:
Cyanacrylat wirkt nur Optimal unter Luftabschluss. Nach dem Gebrauch den letzten Tropfen in der Flaschen-Tülle herunterklopfen bzw. mit Küchenpapier absaugen, die Tülle außen sauber wischen. Wird die Flasche immer aufrecht und kühl gelagert, dann verklebt die Schaubkappe nicht und der Kleber kann mehr als ein Jahr benutzt werden. Die maximale Verwendbarkeit liegt bei 2 Jahren. Alte Kleber neigen zum weißen Ausblühen bei der Trocknung.

Sekundenkleber benötigt min. 10 Sekunden – besser 1 Minute, um gute Haltbarkeit zu erreichen. Endfest ist er erst nach 70 Stunden.
Mit Cyanacrylat benetzte Flächen nur einmal zusammenfügen. Kurzfristiges Abheben (um zu schauen ob überall Kleber ist) unterbricht den chemische Prozess. Erneutes Zusammenfügen bewirkt keine Klebung mehr. Die Klebestelle muss neu vorbereitet werden (Schneiden bzw. schleifen).

Schraubensicherung:
Für Normalverbraucher werden im Handel ausschließlich Sicherungslacke angeboten, die nur im Zusammenhang mit Eisenmetallen funktionieren. Edelstahl, Buntmetalle (Alu; Kupfer; Messing usw.) sowie Kunststoffgewinde können damit nicht gesichert werden.

Kontaktkleber:
Beidseitig gleichmäßig dünn auftragen und gut ablüften lassen. Die Ablüftung bewirkt geringe Kühlluft, die man mit dem Knöchel des kleinen Fingers fühlen kann. Wenn dies aufhört, dann ist die optimale Ablüftung gegeben. Das Zusammenfügen der Teile muss auf Anhieb sitzen. Ein Nachjustieren ist nicht möglich.

Delbrück, 20.11.2014
Reiner Mach