Verbietet der Minister das Fliegen?

Mitglieder der Modellfluggemeinschaft >>Möwe<< bangen um ihr Hobby

Ein Plan von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt droht den Mitgliedern
der Modellfluggemeinschaft »Möwe« Delbrück-Rietberg (und allen anderen Modellfliegern auch) ihr Hobby mächtig zu verhageln.

Ein Gesetzesentwurf, der eigentlich vor allem die Piloten gewerblicher und privater >>Drohnen<< im Zaum halten soll, träfe, wenn die jetzige Fassung beschlossen werden würde, auch den Modellflugsport.


>>Wenn dieser Entwurf so durchginge im Bundestag, dann ist unser Hobby tot<<, sagt der Vorsitzende der >>Möwe<<, Jürgen Landkorz. Der Verein, der immerhin 93 Mitglieder hat, hat sich in einem Schreiben bereits an den Paderborner Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann (CDU) gewandt.

Problematisch an dem Entwurf ist aus Sicht der Modellflieger vor allem, dass darin die Flughöhe für >>Drohnen<< (Modellflug-Begeisterte sprechen im Gegensatz zum Minister hier von >>Muftikoptern<<), aber eben auch für Modellflugzeuge auf höchstens 100 Meter festgelegt wird. Das Hobby Modellfliegen ist bei Wettkämpfen in zehn verschiedene Wettkampfklassen eingeteilt. >>Von diesen zehn Klassen würden nur zwei das neue Gesetz überleben<<, beschreibt >>Möwe<<-Pressesprecher Reiner Mach das Dilemma.

Bei den Landesluftfahrtbehörden sollen zwar entsprechende Ausnahmegenehmigungen beantragt werden können, die Modellflieger befürchten aber hohe bürokratische Hürden und Kosten.
>>Wir sind definitiv auch gegen einen unkontrollierten Betrieb von Multikoptern. Dagegen muss etwas unternommen werden<<, sagt Jürgen Landkorz, >>es schadet unserem Ansehen  als Modellflieger massiv, wenn wild ohne die zugelassenen Modellflugplätze zu nutzen mit den Multikoptern in der Gegend herumgeflogen wird. Aber wegen einiger weniger schwarzen Schafe kann man den Modellfliegern doch nicht fast alles verbieten.<<

Schon heute seien strenge Auflagen gültig, an die sich mache Hobbypiloten die nicht in Vereinen engagiert seien, aber nicht immer halten würden. Dazu zählen Flugverbote über Menschenansammlungen, über Wohngebieten, Industrleanlagen, Gefängnissen, Kraftwerken, Bundesfernstraßen, Eisenbahnlinien, rund um Flugplätze und Einflugschnelsen und über Unglücksorten.


Mit einer 100 Meter-Grenze können sich Modellflieger definttitv nicht anfreunden. >>Segelflugmodelle, die mit der Thermik fliegen, können diese nur nutzen, wenn sie bei etwa 300 bis 500 Metern Höhe fliegen. Flüge mit größeren Motormodellen sind in Höhen unter 100 Metern aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht zu realisieren<<, sagt Jürgen Landkorz. Viele Vereinsmitglieder haben sich einer Online-Petition angeschlossen, die bereits mehr als 70 000 Menschen unterzeichnet haben.

In einem Antwortschreiben weist auch der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann darauf hin, dass er das Problem erkannt und im Bundesverkehrsministerium bereits zur Sprache gebracht habe: >>Den Aussagen des Bundesministeriums zu Folge steht das Vorhaben zur Neuregelung des Betriebs unbemannter Luftfahrzeuge noch ganz am Anfang<<. schreibt Linnemann. >>Man müsse davon ausgehen, dass der Entwurf noch deutliche Änderungen erfahren werde,<<

Das steht in Dobrindts Gesetzesentwurf:
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant mit dem neuen Gesetz vor allem starke Einschränkungen für den Betrieb von gewerblichen und privaten >>Drohnen<<.
Der Deutsche Modellfliegerverband (DMFV) hat im Ministerium nachgefragt und berichtet, dass von dieser Gesetzesänderung der gesamte Modellflugsport betroffen wäre.
Konkret will das Bundesverkehrsministerium die Luftverkehrsordnung um die Paragrafen 21a und 21b erweitern. Paragraf 21a bezöge sich demnach auf >>unbemannte Luftfahrzeuge<< und Paragraf 21b auf Flugmodelle im Allgemeinen.

Modellflugsportler kritisiren vor allem, dass grundsätzlich eine Flugobergrenze von 100 Metern gelten würde, sollte der Gesetzesentwurf so beschlossen werden. Der Deutsche Modellfliegerverband, der die Interessen von etwa 85000 Mitgliedern aus 1300 Vereinen deutschlandweit vertritt, bezeichnet das als >>unausgegoren und praxisfremd<<.

Es bestehe, so der DMFV, in Deutschland bereits ein umfassendes Regelwerk, welches den Einsatz von Drohnen reglementriere und die Rechtsgültigkeit Dritter schütze. Außerdem bemühe sich aktuell die Europäische Agentur für Flugsicherheit um eine einheitliche Rahmenregelung für Drohnen im europäischen Luftsektor.

Bericht im Westfälischen Volksbatt 01.06.2016 von Meike Oblau
Fotos: Meike Oblau und Axel Langer